Gamification im Corporate Learning: Experteninterview mit Jochen Kranzer

ovos play Gamification corporate learning

Wie spielerisches Lernen nachhaltig wirkt

Eine Schulung kann noch so gut sein – wenn die Teilnehmenden nicht motiviert sind und das Gelernte anschließend nicht angewendet wird, hat sie keine Wirkung.

Gamification hilft dabei, Lernen während und über die eigentliche Schulung hinaus lebendig zu halten. Quizze, Challenges und kurze Lernimpulse motivieren Lernende dazu, sich regelmäßig mit den Inhalten auseinanderzusetzen und das Gelernte tatsächlich nachhaltig zu festigen. Wie das funktioniert und worauf es dabei ankommt, erklärt Jochen Kranzer, E-Learning Experte bei ovos play, im Interview.

Jochen Kranzer
im Interview

E-Learning-Experte

Jochen Kranzer ist Inhouse-Experte für E-Learning bei ovos. Jochen entwickelt App-Konzepte für spielerische Wissensvermittlung im Corporate- und Bildungsbereich und leitet die Konzeption sowie Weiterentwicklung des Lerntools ovos play.

Was ist Gamification im Corporate Learning?

Gamification im Corporate Learning bedeutet, spieltypische Elemente in einen Kontext zu überführen, der eigentlich kein Spiel ist. Beim e-Learning können das beispielsweise Quizze, Challenges, Punkte, Badges, Duelle oder Fortschrittsanzeigen sein, die Themenbereiche wie Arbeitssicherheit, Compliance oder Cyber Security behandeln. Das Ziel ist dabei aber natürlich nicht die bloße Unterhaltung. Gamification soll vielmehr dazu beitragen, dass Lernen leichter zugänglich wird, motivierender gestaltet ist und somit auch regelmäßiger stattfindet.

Die Vorteile von Gamification im Corporate Learning

Gamification kann Lernen auf unterschiedliche Weise unterstützen – von der ersten Motivation bis hin zum langfristigen Lerntransfer. Besonders im Corporate Learning ergeben sich dabei einige konkrete Vorteile:

  • Niedrigere Einstiegshürde:

    Kurze, spielerische Lerneinheiten wirken überschaubar und erleichtern den Einstieg ins Lernen.

  • Mehr Motivation und Beteiligung:

    Quizze, Challenges und sichtbare Fortschritte regen dazu an, sich aktiv mit Lerninhalten auseinanderzusetzen.

  • Nachhaltiger Lerntransfer:

    Regelmäßige spielerische Lernimpulse helfen dabei, Wissen auch nach einer Schulung präsent zu halten und im Arbeitsalltag anzuwenden.

  • Lernen im Arbeitsalltag:

    Kurze Lernformate lassen sich unkompliziert zwischen anderen Aufgaben und unabhängig von Ort und Zeit absolvieren.

  • Aktive Auseinandersetzung mit Inhalten:

    Gamification macht Lernende zu aktiven Teilnehmer*innen und schafft immer wieder Anlässe, Wissen anzuwenden und zu wiederholen.

  • Mehr Abwechslung im Lernprozess:

    Spielerische Elemente bringen Dynamik in E-Learning-Angebote und können klassische Lernformate sinnvoll ergänzen.

Dabei gilt: Gamification ist kein Selbstzweck. Ihre Wirkung entsteht vor allem dann, wenn spielerische Elemente mit relevanten Inhalten, passenden Lernformaten und einem didaktisch durchdachten Konzept verbunden werden.

GIF Vergleich
Duel
Day Progress

Warum senkt Gamification die Einstiegshürde beim Lernen?

Gamifizierte Lernangebote sind im Vergleich zu klassischen Lernsettings unter anderem mit höherer Motivation und stärkerer Beteiligung verbunden (Ansar & George, 2023). Spielerische Elemente lassen Lernen weniger wie eine verpflichtende Schulung und mehr wie eine aktive, motivierende Herausforderung wirken.

Statt Inhalte ausschließlich passiv aufzunehmen, werden Lernende beispielsweise durch Punkte, Fortschrittsanzeigen, Challenges oder Quizze dazu angeregt, selbst aktiv zu werden. Erfolge werden unmittelbar sichtbar und geben einen zusätzlichen Anreiz, weiterzumachen. E-Learning erhält dadurch einen spielerischen Charakter, der Neugier wecken und die Beteiligung fördern kann.

Gamification und Microlearning: Kleine Lerneinheiten, großer Effekt

Besonders wirkungsvoll kann Gamification in Kombination mit Microlearning werden. Dabei werden umfangreiche Inhalte in kurze, fokussierte und spielerische Lerneinheiten aufgeteilt. Anstatt nach einer Schulung mit 120 PowerPoint-Folien übersättigt und verwirrt nach Hause zu gehen, erhalten Mitarbeitende beispielsweise kurze Learning Nuggets, Quizfragen oder kleine interaktive Übungen.

Eine solche Lerneinheit kann nur wenige Minuten dauern und sich auf ein konkretes Thema konzentrieren. Dadurch wirkt Lernen weniger wie eine zusätzliche große Aufgabe und lässt sich leichter in den Arbeitsalltag integrieren. Gamifizierte Elemente wie Punkte, Challenges oder direktes Feedback können diese kurzen Einheiten zusätzlich aktivierend und motivierend gestalten.

Genau darin sieht auch Jochen Kranzer einen wesentlichen Vorteil: Wenn eine Lerneinheit nur wenige Minuten dauert und sich auf ein konkretes Thema konzentriert, fällt es leichter, überhaupt ins Tun zu kommen. Werden diese kurzen Einheiten zusätzlich spielerisch gestaltet, entsteht ein Lernformat, das sich unkompliziert in den Arbeitsalltag integrieren lässt und gleichzeitig zur aktiven Auseinandersetzung mit den Inhalten anregt.

Warum Gamification den Lerntransfer unterstützt

Eine der größten Herausforderungen im Corporate Learning ist nicht die Vermittlung von Wissen, sondern die Übertragung in den Arbeitsalltag oder auch Lerntransfer. Denn selbst eine gute Schulung garantiert noch nicht, dass das Gelernte tatsächlich in der Praxis angewendet werden kann.

Nachhaltiges Lernen braucht wiederkehrende Impulse, die Wissen aktivieren und an bereits Gelerntes anknüpfen. Spielerische Elemente wie Quizze, Challenges oder Fortschrittsbalken schaffen Anlässe, sich auch nach einer Schulung erneut mit den Inhalten auseinanderzusetzen.

Gamification macht Lernen damit nicht zu einem einmaligen Ereignis, sondern kann dazu beitragen, Lerninhalte über einen längeren Zeitraum hinweg präsent zu halten. Gerade in Kombination mit Microlearning und als Bestandteil eines Blended-Learning-Konzepts entsteht so ein Lernprozess, der über die eigentliche Schulung hinausgeht und den Transfer in den Arbeitsalltag unterstützt.

Gamification allein macht noch kein gutes Lernkonzept

Bei aller Begeisterung für spielerische Elemente darf ein wichtiger Punkt aber nicht vergessen werden: Gamification funktioniert nur so gut wie die Inhalte und das Lernkonzept dahinter. Punkte, Badges und Ranglisten sind Bausteine innerhalb einer größeren Lernstrategie, die unterschiedliche Formate und Lernimpulse sinnvoll miteinander verbindet. Wenn die Inhalte jedoch keinen erkennbaren Bezug zum Arbeitsalltag haben oder schlecht aufbereitet sind, bleibt der Lernerfolg aus.

Für Jochen Kranzer steht deshalb auch die Relevanz der Inhalte im Zentrum. Lernende sollten verstehen, warum sie etwas lernen und welchen konkreten Nutzen das Wissen für ihre tägliche Arbeit hat.

Fazit: Gamification braucht mehr als nur Punkte und Badges

Gamification macht Corporate Learning deutlich zugänglicher und motivierender. Die eigentliche Stärke liegt jedoch nicht in einzelnen Spielelementen, sondern darin, Lernende regelmäßig mit relevanten Inhalten in Kontakt zu bringen. In Kombination mit Microlearning, mobilen Lernmöglichkeiten und einer didaktisch hochwertigen Aufbereitung (siehe Didaktik-Powerhouse), wird der Wissenstransfer in den Arbeitsalltag unterstützt.

Dabei gilt: Gute Gamification beginnt nicht bei Punkten oder Badges, sondern bei der Frage, was Menschen wirklich lernen sollen und warum dieses Wissen für sie relevant ist.

Wer diesen Gedanken in den Mittelpunkt stellt, schafft die Grundlage für ein Lernkonzept, das nicht nur kurzfristig motiviert, sondern Lernen nachhaltig im Arbeitsalltag verankern kann.

FAQ: Häufige Fragen zu Gamification im Corporate Learning

Was ist Gamification im Corporate Learning?

Gamification bezeichnet den Einsatz spieltypischer Elemente in Lern- und Arbeitskontexten. Dazu gehören beispielsweise Quizze, Challenges, Punkte, Badges oder Fortschrittsanzeigen. Im Corporate Learning soll Gamification vor allem Motivation, regelmäßiges Lernen und den Wissenstransfer unterstützen.

Welche Vorteile hat Gamification beim Lernen?

Gamification kann die Einstiegshürde senken, die Motivation erhöhen und Lernende dazu anregen, sich wiederholt mit Inhalten auseinanderzusetzen. Besonders in Kombination mit Microlearning kann dies den nachhaltigen Lerntransfer unterstützen.

Warum funktioniert Gamification gut in Kombination mit Microlearning?

Kurze Lerneinheiten lassen sich einfacher in den Arbeitsalltag integrieren als umfangreiche Schulungen. Gamification sorgt zusätzlich für spielerische Impulse und kann dazu motivieren, Lerninhalte regelmäßig zu wiederholen.

Ist Gamification nur für jüngere Mitarbeitende geeignet?

Nein. Die Akzeptanz digitaler Lernformate hängt nicht ausschließlich vom Alter ab. Auch persönliche digitale Affinität, Offenheit gegenüber neuen Arbeitsweisen und die Relevanz der Inhalte spielen eine wichtige Rolle.

Kann Gamification die Lernmotivation steigern?

Ja, Gamification kann durch spielerische Elemente zusätzliche Motivation schaffen. Besonders nachhaltig ist Lernen jedoch dann, wenn Mitarbeitende auch einen persönlichen und beruflichen Sinn in den Inhalten erkennen. Intrinsische Motivation sollte deshalb nicht durch Gamification ersetzt, sondern durch sie unterstützt werden.

Wie kann ein Unternehmen den Erfolg von Gamification messen?

Neben kurzfristigen Kennzahlen wie abgeschlossenen Lernmodulen oder Quizteilnahmen sollten Unternehmen vor allem langfristige Veränderungen betrachten. Dazu gehören die tatsächliche Anwendung des Wissens, regelmäßiges Lernen, Peer-Learning und die Frage, ob Lernen auch ohne spielerische Anreize Teil des Arbeitsalltags bleibt.

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